Am kommenden Wochenende finden an vielen Atomstandorten internationale Protestaktionen und Demonstrationen statt. Die größte wird am belgischen AKW Tihange (60 km westlich von Aachen) erwartet. Unterdessen gab es in Japan erneut ein Erdbeben der Stufe 6,2. Die beschädigten Reaktoren von Fukushima seien nicht betroffen, hieß es routinemäßig. Die tödliche Seite der Atomwirtschaft zeigte sich erst vor kurzem wieder bei der Explosion eines Schmelzofens für radioaktive Abfälle im französischen Marcule, bei der ein Arbeiter binnen Sekunden verbrannte und vier weitere verletzt wurden.
„Wir können von Glück sagen, dass nach bisherigen Informationen keine radioaktive Strahlung ausgetreten ist,“ erklärte Hamide Akbayir, die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Landtag NRW. Es zeige sich einmal mehr, dass die Atomtechnologie nicht beherrschbar ist. „Wir müssen den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie durchsetzen, in Deutschland, in Europa und weltweit“, so Akbayir.
Unterdessen gab es gestern wieder ein Erdbeben in Japan. Von dem Beben der Stärke 6,2 seien aber keine Atomanlagen betroffen, heißt es wieder einmal.
Gerade einmal 60 Kilometer in Hauptwindrichtung westlich von Nordrhein-Westfalen liegt das belgische Alt-AKW Tihange bei Lüttich. Nach einem WDR-Bericht sind die belgischen AKW für Erdbeben bis Stärke 5,9 ausgelegt. Ein Beben dieser Stärke hatte es z.B. erst 1992 bei Roermond gegeben. 1692 gab es mit Epizentrum bei Verviers, nur 40 Kilometer vom Standort des heutigen AKW Tihange entfernt, ein erheblich schwereres Erdbeben, das bis in England Gebäudeschäden verursachte.
Obwohl Belgien bereits vor Jahren den Atomausstieg beschlossen hat, ist so wenig Ausbau erneuerbarer Energien erfolgt, dass der „sozialistische“ (d.h. sozialdemokratische) Energieminister Magnette ein ums andere Mal für Laufzeitverlängerungen wirbt und sogar nach Fukushima den deutschen Ausstieg kritisierte (und nicht etwa, weil er zu zögerlich ist). Für diesen Samstag wird erstmals seit Jahrzehnten von zahlreichen Gruppen aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland zu einer internationalen Anti-Atom-Großdemo in Belgien aufgerufen.
Auch an vielen anderen Standorten der Atomwirtschaft finden an diesem Wochenende Proteste statt, so rufen die münsterländischen Gruppen zu einem Vernetzungscamp in Gronau auf. Dass RWE und Eon ihre Anteile an Urenco, der Betreiberin der UAA Gronau, loswerden wollen (und niemand sie haben will), zeigt, wie die Konzerne mit ihrer Atompolitik scheitern. „Die Energieriesen sind angeschlagen,“ meint auch Michael Aggelidis, der wirtschafts- und energiepolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE im Landtag NRW. „Die Vergesellschaftung, Dezentralisierung und Demokratisierung der Energiewirtschaft ist die unabdingbare Voraussetzung für das ökologische Umsteuern.“
In Frankreich wird an diesem Wochenende an den grenznahen Atomanlagen in Cattenom (nahe Luxemburg, Trier und Saarland) und Fessenheim (bei Freiburg i.Br.) demonstriert. Am geplanten Endlager Bure (Lothringen) gibt es ein kleines Protestfestival.